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26.01.2016 | Patient Informiert Sich | Renate Hartwig
Die “kranken” Kassen und das Beitragsgeld!
In Polen hat am 15.1.2015 die Handball Europameisterschaft begonnen. Ein großer Tag für alle die monatlich ihren Beitrag bei der AOK abdrücken. Denn die AOK ist seit 2014 bis 2017 Hauptsponsor des DHB (Deutscher Handballbund)!!

Das heißt in Zahlen: Es liegt mir gesichert für diesen Zeitraum die Zahl vier Millionen Euro vor. Inwieweit sich diese Zahl mit vielen Nullen, aufgrund der einzelnen Werbeaktivitäten der AOK nach oben entwickelt, inwieweit es noch was oben drauf gibt wenn die Jungs erfolgreich sind, ist noch offen. Deshalb bleibt es auf jeden Fall immer eine Zahl mit vielen Nullen und es geht nicht um 3,50 € oder um eine Behandlung oder ein Medikament um 100 € weswegen viele Patienten bei ihrer Kasse betteln müssen!
Keine Frage, es ist schön für die Jungs vom Handball. Durch das AOK Logo der Gesundheitskasse auf den Trikots der Männer-Nationalmannschaft klingelt es gesichert in der Kasse des DHB, denn die AOK tritt als Geldgeber die Nachfolge des Onlinehändlers Getgoods an, der Ende 2013 Insolvenz anmelden musste. Neben der auffälligen Werbung auf dem Trikot, enthält das AOK Sponsoring auch die Bandenwerbung und am Spielfeldrand die Werbung auf den Medizinkoffern. Die Gesundheitskasse AOK (heißt übrigens “Allgemeine Ortskrankenkasse”) firmiert mit Millionen von Beitragsgeldern als exklusiver DHB-Gesundheitspartner. Nun haben wenigstens die AOK Kassenpatienten die Gelegenheit im Fernsehen bei der Übertragung der Spiele zu sehen was sie finanzieren. Ein kleiner Puzzlestein bei der Frage, wo bleibt unser Beitragsgeld.  
Die Fans der Nationalmannschaft können sich bis 2017 im Stadion bei den aufgestellten AOK Aktionsständen über Gesundheitsthemen informieren. Ein Service der besonderen Art könnte man annehmen. Nur diejenigen, die an ihrer Kasse als Bittsteller wegen ihrer Krankheit verzweifeln, die werden nun verstehen weshalb die AOK Gesundheitskasse heißt und die Kranken als Pflichtversicherte einen ganz anderen Auftrag haben! Über ihre Krankheit Gelder aus dem Gesundheitsfonds zu akquirieren, sowie  immer mehr steigende Zusatzbeiträge aufgebrummt zu bekommen, ohne zu durchschauen weshalb und warum. Fast niemand bekommt in der Apotheke einen Kassenbon – denn auch bei den Medikamentenzuzahlungen kommen immer mehr Zusatzkosten drauf. Oft nur kleine Centbeträge zu den die 5 oder 10 Euro Rezeptzuzahlungen, fast keiner weiß es. So dreht es sich, das Karussell um den großen Sack der Beitragsgelder. 
Wird es nicht endlich Zeit, dass wir Kassenversicherte anfangen nachzudenken? Der Slogan der muss lauten: MACH MIT! Lasst uns gemeinsam diesen allgemeinen Kassen – Werbeaktionen, finanziert mit Beitragsgeldern, durch Verbreiten von Informationen etwas entgegen setzen um die Kernfrage: WO BLEIBT UNSER BEITRAGSGELD mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit zu bekommen. Danke für jede Unterstützung beim Verbreiten.
Wetten, dass Millionen Krankenkassenbeitragszahler gar nicht wissen, was sie alles finanzieren? Viel zu viel, was gar nichts mit der Absicherung im Krankheitsfall zu tun hat, weswegen wir doch scheinbar Pflichtversicherte sind und einzahlen müssen! Dazu kommt:
Keiner der Beitragszahler wird und wurde gefragt was die Kassen, die im Grunde nur Verwalter der Beiträge sind, mit unseren Geldern alles treiben!! Natürlich beteiligen sich andere Kassen auch an diesem Werbewahn - z.B. ziert das Logo der IKK Classic die Skianzüge, über diese Ausgaben jubelt die Kasse in einer Pressemitteilung siehe hier! 
Auch in den Fussballstadien tauchen  regelmäßig die Namen unserer Krankenkassen  auf, wer denkt es gehe bei diesen Werbekosten nur um so genannte Peanuts der irrt sich gewaltig. Dieser Werbewahn  hat mit dem Wettbewerbsstärkungsgesetz zu tun, das unter  der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeführt wurde. Nur bitte was wird denn hier gestärkt? Der Abfluss unserer Beitragsgelder in die Werbung, soviel ist sicher. Doch zahlen wir nicht alle denselben Beitrag, der durch politische Rahmenbedingungen vorgegeben ist? Also weshalb werden hunderte von Millionen in die Werbung gesteckt,  um uns zum Kassenwechsel zu animieren?  Ganz einfach: Es geht um ganz was anderes, denn dieses System hat gravierende Fehler, hier einer davon: Unter der letzten großen Koalition zwischen SPD und CDU  konnten sich die  Parteien nicht einigen. Die CDU wollte das Kopfgeld, die SPD die Bürgerversicherung, es kam zum Kompromiss, aus dem der Gesundheitsfonds entstanden ist. Ein weiteres undurchsichtiges Verwaltungsungetüm. Deshalb zerrinnt viel von unseren jährlich einbezahlten Beitragsgeldern über ca. 300 Milliarden!! Vom Gesundheitsfonds kommt es zum Rückfluss an die Kassen, der gekoppelt ist an der Anzahl der Versicherten und eben an deren Krankheiten. Deshalb wird gebuhlt um jeden pflichtversicherten Kassenpatient. Denn eine Masse von Versicherten sichert die Macht und das Geld jeder einzelnen Kasse, dass wieder notwendig ist zur Besitzstandwahrung der Kassenfunktionäre und ihrer tausenden Untertanen, die den aufgeblasenen Verwaltungswasserkopf am Leben erhalten!  Denn nur um Macht und Geld geht es, in diesem verlogenen, inzwischen immer mehr aus den Fugen geratenen, seltsamen Mechanismen angepassten, gesetzlichem Gesundheitssystem.

Renate Hartwig


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