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Natürlich gab es ein Schlüsselerlebnis, aus dem sich die Aktion Patient informiert sich entwickelte. Es war im Januar 2007 als alles begann: Aufgrund eines anhaltenden Infektes, der sich trotz meiner eingesetzten "Hausmittelchen" nicht verabschiedete, wurde ein Arztbesuch notwendig. In der gut organisierten Praxis meines Arztes gibt es geringe Wartezeiten. Mein Behandlungstermin wurde durch ein wichtiges Telefonat für den Arzt unterbrochen und ich wartete im Sprechzimmer bis der Arzt zurück kam. Auf einmal sprang am PC der Bildschirm an und wie von Geisterhand öffnete sich ein Feld, in dem mit großen Buchstaben zu lesen war:

"Die Behandlungszeit für diesen
Patienten ist abgelaufen!"



Das Bild bewegte sich nicht mehr. Die Buchstaben starrten mich an, als wenn sie mit erhobenem Zeigefinger sagen wollten: "He Du, Patient, was machst Du noch hier? Deine Zeit ist abgelaufen." Meine Gedanken fingen an, sich um diese Aussage zu bewegen. Welcher Schreibtischtäter kommt auf die glorreiche Idee, einen solchen Text in ein Softwareprogramm für Ärzte einzubauen? Immerhin befinden wir uns ja hier in einer Arztpraxis. Es geht um Menschen. Und wer hier sitzt hat ein Problem. Wir befinden uns nicht am Fließband in einer Fabrik, in der mit Stoppuhr errechnet wird, welche Schraube, welches Teil, wann in wie viel Sekunden eingebaut werden muss! Der so wichtige Dialog zwischen Arzt und Patient, in dem vielleicht mit ein paar Minuten richtig Zuhören in der Summe mehr eingespart werden könnte, als es sich die Erfinder solcher Kontrollmechanismen vorstellen können ! Jetzt wollte ich es wissen. Wie viel Zeit habe ich Patient bei meinem Arzt und wer ist federführend für diesen Druck, der ausgeübt wird und unter dem mit Sicherheit das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient leidet? Ich wollte ab diesem Tag mehr wissen. Keine Schlagzeileninfos, nein ich wollte Fakten, Zahlen, und ich wollte sie wissen, die Konsequenzen für jeden einzelnen Patienten! Umso mehr Informationen ich mir besorgte, umso mehr Gespräche und Recherchen ich führte, umso klarer wurde mir: Der Uninformierte wird zum Verlierer, egal ob als Patient oder als Arzt!

Als informierter Patient ist es notwendig sich auch mit theoretischen Fakten zum Thema Gesundheitsreform zu beschäftigen. Ansonsten werden wir als Patienten zwischen einzelnen Interessengruppen zerrieben und gezielt desinformiert. Nur wer die Fakten kennt, kann die Hintergründe der verschiedenen Auseinandersetzungen zwischen Kassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Ärzten,Verbänden und der Politik nachvollziehen und sich als Patient positionieren! Ich begriff 2007 sehr schnell: Es gibt nur einen Weg um ein gerechtes humanes Gesundheitswesen zu erreichen - das funktioniert nur durch Arzt & Patient im Schulterschluss.

Wer wagt gewinnt, ist einer meiner Leitsätze. Aus dem Wagnis hinter die Kulissen dieses verworrenen Gesundheitssystems zu schauen, wurde der Gewinn Menschen zu motivieren aufzustehen und mitzumachen! Als Impulsgeberin gelang es mir bundesweit Hunderte von regionalen Bürgertreffs in Gang zu setzen. Meine Vision war mit Arzt und Patient im Schulterschluss Großveranstaltungen gegen diese gefährliche Entwicklung im Gesundheitswesen zu veranstalten! Es ist im Münchner Olympiastadion bereits zweimal gelungen! Und nun 2010 - genau drei Jahre nach meinem Arztbesuch als alles begann - ist aus der Aktion "Patient informiert sich" eine bundesweite Bürgerschulterschlussbewegung geworden - über der steht mit großen Buchstaben auf was es ankommt um etwas zu bewegen: MACH MIT !

Renate Hartwig